FAQ – Fragen & Antworten
Wieviel Alkohol ist zu viel?
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) definiert risikoreichen Alkoholkonsum wie folgt:
- Für Männer gilt der Konsum von regelmässig vier oder mehr Gläsern Alkohol (3dl Bier / 1dl Wein / 0,3dl Schnaps) pro Tag als risikoreich. Ebenso wird der Konsum als risikoreich eingestuft, wenn ein Mann fünf oder mehr Gläser innerhalb weniger Stunden trinkt.
- Für Frauen gilt der Konsum von regelmässig mehr als zwei Gläsern pro Tag als risikoreich. Auch der Konsum von vier oder mehr Gläsern innerhalb einiger Stunden wird als risikoreich eingestuft.
Bei der Definition wird zwischen Mann und Frau unterschieden aufgrund der unterschiedlichen Wirkung von Alkohol (siehe Wirkung von Alkohol).
Es ist wichtig festzuhalten, dass es gemäss neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt (siehe Artikel der WHO).
Das gesündeste Leben ist eines ohne Alkohol. Denn: Schon kleine Mengen Alkohol können die Gesundheit schädigen und das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen. Das Risiko beginnt mit dem ersten Tropfen.
Weitere Informationen: Neue Empfehlungen zum Alkoholkonsum
Ab wann ist man alkoholabhängig?
Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Es gibt mehrere Symptome dafür. Eine Person gilt als alkoholabhängig, wenn sie mindestens drei der folgenden Symptome hat:
- Toleranz steigt: Die betroffene Person braucht immer mehr Alkohol, damit sie die gleiche Wirkung spürt. Zum Beispiel ein Wohlgefühl.
- Psychisch abhängig: Die betroffene Person spürt ein Verlangen nach Alkohol.
- Entzugssymptome: Die betroffene Person hat körperliche Entzugssymptome, wenn sie keinen Alkohol trinkt. Oder sie trinkt Alkohol, um die Symptome zu lindern. Symptome sind zum Beispiel Herzrasen, Übelkeit oder Kopfschmerzen.
- Keine Kontrolle: Die betroffene Person kann den Alkoholkonsum nicht mehr kontrollieren. Weder die Menge noch die Zeit, wann sie mit dem Trinken beginnt oder aufhört.
- Vernachlässigung: Die betroffene Person vernachlässigt Freunde, Hobbys oder andere Interessen und Vergnügungen. Der Alkoholkonsum ist wichtiger.
- Weiter trinken: Die betroffene Person trinkt weiter, obwohl ihre Gesundheit leidet. Zum Beispiel eine Leberschädigung, depressive Verstimmung oder Probleme.
Eine Alkoholabhängigkeit zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Oft bestimmen Vorurteile, wie wir uns eine süchtige Person vorstellen und was es bedeutet, süchtig zu sein. Die «typische Abhängigkeit» gibt es kaum.
Eine einfache Definition von Sucht ist: «Jemand ist nicht fähig, ohne ein bestimmtes Mittel oder Verhalten leben zu können.» Die Menge des getrunkenen Alkohols ist nur ein Faktor. Entscheidend ist vor allem, wie wichtig der Alkohol im Leben der betroffenen Person ist. Nur eine Fachperson kann bestimmen, ob jemand tatsächlich alkoholabhängig ist.
Trinke ich zu viel? Schade ich meiner Gesundheit? Sorgst du dich um eine dir nahestehende Person? Ein Gespräch mit einer Fachperson unserer Beratungsstellen kann dir helfen, den Alkoholkonsum einzuordnen. Hier finden Sie weitere Informationen
Hat er/sie ein Alkoholproblem?
Manchmal ist die Grenze zwischen regelmässigem Genuss und Abhängigkeit unscharf.
Genuss heisst:
- Ich trinke bewusst. Zum Beispiel ein gutes Glas Wein zu einem feinen Essen.
- Ich lege regelmässig alkoholfreie Tage ein.
Wird aus Genuss Gewohnheit, dann ist das ein Warnsignal.
Es ist schwierig, über den eigenen Alkoholkonsum oder den Konsum einer nahestehenden Person zu reden. Oft schämt man sich. Das geht vielen Betroffenen so. Nur etwa zehn Prozent der Menschen mit einem Alkoholproblem holen sich Hilfe. Viele Betroffene sind beruflich und sozial integriert. Sie haben aber einen Alkoholkonsum, der höher ist, als sie es wollen. Der Konsum nimmt meistens schleichend zu. Abhängigkeit kann verschiedene Formen annehmen.
Zur Auseinandersetzung mit dem Thema und der eigenen Gewohnheiten bietet die Webseite http://www.kontrolliertes-trinken.de Selbsttests und nützliche Informationen.
Wie spreche ich den Alkoholkonsum an?
Bemerkst du einen auffälligen Konsum, dann sprich das Thema an. Sei dabei einfühlsam. Betroffene schämen sich oft und fühlen sich schuldig. Respekt ihnen gegenüber ist deshalb wichtig.
Abhängigkeit kann verschiedene Formen haben. Viele Menschen sind zwar nicht körperlich abhängig, aber psychisch. Sie fragen sich: Kann ich auf Alkohol verzichten?
Mehr Informationen zu diesem Thema und anderen Themen sowie Selbsttests findest du hier: http://www.kontrolliertes-trinken.de.
Eine mir nahestehende Person trinkt – was kann ich tun?
Wird ein Alkoholproblem schlimmer, dann fühlen sich Familienangehörige oft hilflos. Sie versuchen, das Thema anzusprechen oder Ratschläge zu geben. Meistens haben sie keinen Erfolg. Angehörige leiden oft genauso stark wie die suchtkranke Person. Die Gründe dafür sind: Hilflosigkeit, Angst oder Gewalt.
Es gibt professionelle Beratungen für Angehörige. Dabei lernst du, wie du auf dich selbst achten kannst. Du lernst auch, dein Leben nicht von der alkoholkranken Person abhängig zu machen. Und du erhältst praktischen Rat, wie du dich der betroffenen Person gegenüber verhalten kannst.
Weitere Informationen findest du hier:
- Willkommen bei der Abteilung Sucht – Tipps für Angehörige (bs.ch)
- Stehst Du einer Suchtkranken Person nahe? | Addiction Suisse (nahestehende-und-sucht.ch)
- Informationen für Kinder, deren Eltern trinken: Papa trinkt / Mama trinkt.
Folgende Institutionen bieten Hilfe für Opfer von physischer oder psychischer Gewalt:
- Für alle: Beratungsstellen bei Gewalt gegen Frauen & häuslicher Gewalt (admin.ch)
- Für Frauen: http://www.frauengegengewalt.ch/, https://www.frauenhaeuser.ch/de
- Für junge Frauen: 044 3414945 – Mädchenhaus (maedchenhaus.ch)
- Für Männer: http://www.zwueschehalt.ch/, https://www.mannebuero.ch/
- «10 Tipps für Angehörige»
Alkohol in der Partnerschaft – was kann ich tun?
Menschen mit Suchtproblemen versuchen oft, den Konsum zu verbergen oder streiten ihn ab. Sie spielen die Probleme herunter oder machen andere Dinge dafür verantwortlich. Es ist nicht einfach, ein Suchtproblem anzusprechen. Die Partnerin oder der Partner versteht es vielleicht als Vorwurf. Besonders dann, wenn sie oder er noch nicht bereit ist, das Problem zu akzeptieren. Das kann eine Partnerschaft belasten.
Die suchtkranke Person verhält sich vielleicht ganz anders, je nachdem, ob sie nüchtern oder angetrunken ist. Hat sie Alkohol getrunken, dann ist ein sinnvolles Gespräch meist nicht möglich.
Diese Tipps können dir helfen, mit einer betroffenen Person zu sprechen:
- Rede übe deine Gefühle: Versuche zu sagen, was dich belastet und wie du dich fühlst. Erzähle von deinen Sorgen und wie sehr du darunter leidest.
- Vermeide Vorwürfe und Ratschläge.
- Wie sieht es die oder der Betroffene: Frage deine Partnerin oder deinen Partner, wie sie oder er die Situation sieht. Ihr beide sollt eure Sichtweise sagen können. Wichtig ist, dass sich niemand angegriffen fühlt oder verteidigen muss.
- Nenne deine Grenzen: Versuche nicht, den Konsum zu kontrollieren. Sage klar, wo deine Grenzen sind.
- Es braucht eine Einsicht: Deine Partnerin oder dein Partner muss selbst eine Veränderung wollen. Du kannst sie oder ihn nicht dazu zwingen. Das ist wichtig: Du musst dich selbst schützen.
Tipps, um dich selbst zu schützen:
- Finde Wege, damit der Alkoholkonsum deiner Partnerin oder deines Partners nicht deine eigene Lebensqualität bestimmt.
- Achte auf deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche.
- Nimm Abstand, wenn es zu viel wird.
- Hole dir professionelle Hilfe bei einer Beratungsstelle, wenn die Situation dich zu sehr herausfordert. Die Fachperson bespricht mit dir, wie du mit der Situation umgehen, dich selbst schützen und deiner Partnerin oder deinem Partner vielleicht helfen kannst.
Ist Alkoholabhängigkeit vererbbar?
Verschiedene Faktoren können zu einer Alkoholabhängigkeit führen. Genetische Faktoren spielen vielleicht eine Rolle. Entscheidender sind aber soziale Faktoren. Kinder von alkoholabhängigen Eltern haben ein höheres Risiko, später einmal selbst abhängig zu werden. Das Risiko ist sechs Mal höher.
Die meisten Kinder von alkoholabhängigen Eltern werden als Erwachsene nicht selbst alkoholabhängig. Folgende Faktoren wirken schützend:
- eine geregelte Tagesstruktur,
- Familienrituale,
- ein gutes Selbstwertgefühl,
- die Fähigkeit, mit Schwierigkeiten umzugehen und um Hilfe zu bitten,
- eigene Freizeitpläne,
- eine stabile Beziehung zum nicht abhängigen Elternteil oder zu einer Bezugsperson ausserhalb der Familie.
Wie schaffe ich trotz Entzugssymptomen den Ausstieg?
Wenn du lange und oft Alkohol trinkst, kannst du körperlich abhängig werden. Hörst du mit dem Trinken auf, spürst du vielleicht Entzugssymptome. Sind diese Symptome zu stark, dann können sie schwere Folgen für den Körper haben. Suchtkranke Personen trinken häufig aus Angst vor körperlichen und psychischen Entzugssymptomen weiter.
Unser Rat: Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt über Entzugserscheinungen. Sie oder er kann dir sagen, ob ein ambulanter Entzug mithilfe von Medikamenten möglich ist oder ob ein stationärer Entzug in einer Klinik nötig ist. Professionelle medizinische Unterstützung ist entscheidend für einen sicheren und effektiven Ausstieg aus der Abhängigkeit.
Wer bezahlt die Kosten für einen Entzug?
Sämtliche Beratungen in den Beratungsstellen des Blauen Kreuzes sind anonym und grundsätzlich kostenlos. Die Krankenkassen oder der Kanton bezahlt in der Regel einen stationären Alkoholentzug und die anschliessende Therapie. Wenn du Fragen dazu oder zu anderen administrativen Dingen hast, wende dich an die Klinik.
Wie schlimm ist ein Rückfall?
Rückfälle gehören beim Gesundwerden dazu. Ein Rückfall bedeutet nicht, dass man nochmals von vorne beginnen muss. Vor allem für Angehörige ist das wichtig zu wissen. Ein Rückfall ist immer auch eine Gelegenheit zu lernen. Er hilft, das eigene Trinkverhalten besser zu verstehen und Risikosituationen besser zu erkennen.
Das ist wichtig: Betroffene sollen nach einem Rückfall so schnell wie möglich mit einer Fach- oder Vertrauensperson reden. Das hilft, aus dem Rückfall zu lernen. Zudem erhält sie allenfalls weitere Unterstützung.
Kontrolliert trinken – (wie) geht das?
Die meisten Menschen können ihren Alkoholkonsum gut kontrollieren. Alkoholabhängige Menschen verlieren jedoch oft die Kontrolle darüber. Ein sinnvolles Therapieziel kann dann eine völlige Alkoholabstinenz sein. Ein mögliches Therapieziel ist auch, ein kontrolliertes Trinkverhalten zu lernen. Kontrolliert trinken bedeutet: Die betroffene Person ist frei, in bestimmten Situationen auf den Alkohol zu verzichten und in festgelegten Situationen in einem definierten Mass zu trinken.
Ob Abstinenz oder kontrolliertes Trinken besser passt, hängt von den persönlichen Bedürfnissen und den Zielen der betroffenen Person ab. Sie bestimmt in der Therapie mit einer Fachperson das Vorgehen. Die Behandlung ist also zieloffen. Das bedeutet: Es gibt kein vorgegebenes Ziel wie zum Beispiel eine Abstinenz. Die Behandlung will erreichen, dass die betroffene Person ihren problematischen Konsum verändert. Sie reduziert ihren Konsum in ihrem eigenen Rhythmus.
Mehr Informationen dazu findest du hier: http://www.kontrolliertes-trinken.de.
Weitere Fragen und Antworten findest du auf diesen Websites: